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Die „Sprachheilschule Halle“ als Ausbildungsstandort für Lehramtsstudenten und Lehramtsanwärter -  Erfahrungsbericht und Ausblick

Nico Bohndorf

Die Lehrerausbildung  in Sachsen-Anhalt gliedert sich in die beiden Phasen (1) wissenschaftliches/ künstlerisches Lehramtsstudium an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule und (2) Vorbereitungsdienst/ Referendariat an den Staatlichen Seminaren für Lehrämter. Damit wird das Fundament für qualitativ hochwertigen Unterricht gelegt. Die Förderschule für Sprachentwicklung „Sprachheilschule Halle“ spielt in beiden Ausbildungsabschnitten eine relevante Rolle. Während des Studiums gilt es für Lehramtsstudenten erste schulpraktische Erfahrungen in Form eines Orientierungspraktikums, Schulpraktischen Übungen (SPÜ) sowie eines Blockpraktikums zu erwerben.  Die Übersicht 1 illustriert, wie viele Studenten die jeweiligen Studiumsbestandteile im Schuljahr 2009/ 10 an der „Sprachheilschule Halle“ absolvieren:

 

Orientierungspraktikum

SPÜ

Blockpraktikum

Studentenanzahl:

2

23

8

Gesamtanzahl:

33

Übersicht 1

Im gleichen Zeitraum werden neben den 33 Lehramtsstudenten fünf Lehramtsanwärter von den Kollegen bezüglich Planung, Durchführung und Reflexion von (Förder-)Unterricht und sprachheiltherapeutischen Interventionsmaßnahmen unterstützt. Hierbei leisten die Anwärter den 2-jährigen Vorbereitungsdienst im 1. oder 2. Ausbildungsjahr ab. Um den Anforderungen einer fundierten Ausbildung von Förderschullehrern u. a. mit der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik gerecht zu werden, ist es notwendig, dass sowohl die Lehramtsstudenten als auch die Lehramtsanwärter in der jeweiligen Phase ihrer Ausbildung kompetent von den Betreuungslehrern angeleitet, beraten und unterstützt werden. Diese Aufgabe leisten die Schulleitung und die 31 Lehrkräfte der „Sprachheilschule Halle“. 15 der 31 Lehrkräfte besitzen eine sonderpädagogische Ausbildung mit der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik.

Nach meinen Erfahrungen (Sommersemester 2007: SPÜ und Blockpraktikum; 2008 bis 2010: Vorbereitungsdienst)  ist neben der hohen Fachkompetenz der Betreuungslehrer auch eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre notwendig, um die Ziele der beiden Lehrerausbildungsphasen zu erreichen. Solch ein Umfeld bot mir die „Sprachheilschule Halle“. Somit konnte ich zu einer eigenständigen Lehrerpersönlichkeit reifen, Kompetenzen im Förderschwerpunkt Sprachentwicklung vertiefen und den Schulalltag mit den Aufgaben eines Klassenlehrers nachspüren. Diesen Weg  erleichterte eine offene, konstruktive Zusammenarbeit mit der Schulleitung. Ich fühlte mich zu jeder Zeit fachlich als auch menschlich sehr gut aufgehoben.

Im Hinblick auf die zu erwartenden Veränderungen der Schullandschaft in Sachsen-Anhalt kann es für nachfolgende Lehramtsstudenten und Lehramtsanwärter schwieriger werden, ihre Ausbildungsziele bezüglich der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik bzw. der Ausbildung im Förderschwerpunkt Sprachentwicklung zu erreichen. Es erscheint plausibel, Studenten der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik sowie Lehramtsanwärter während der Praktika, SPÜ bzw. des Vorbereitungsdienst von den derzeit 15 Lehrkräften mit sprachbehindertenpädagogischer Ausbildung zu betreuen. Dies hat zur Konsequenz, dass diese Kollegen jetzt schon zwei und mehr Studenten und ggf. einen Lehramtsanwärter als Mentor zur Seite stehen. Dazu kommt, dass im Kontext von sinkenden Schülerzahlen und des wahrscheinlich gehäuften Einsatzes der Lehrkräfte mit sonder-/ sprachheilpädagogischer Ausbildung als Betreuungslehrer u. a. an Grundschulen absehbar ist, dass die Bedeutung der „Sprachheilschule Halle“ als Ausbildungsstandort sinkt und weniger Studenten und Anwärter fachrichtungs-/ förderschwerpunktspezifisch betreut werden können. Es besteht die Gefahr, dass z. B. Praktika während des Studiums schwieriger vermittelt und dann nicht fachrichtungsspezifisch durch ausgebildete Sprachbehindertenpädagogen begleitet werden können. Auch die schulpraktische Ausbildung der Lehramtsanwärter bezüglich des Förderschwerpunktes Sprachentwicklung steht in der Gefahr, Schaden zu nehmen. Konsequent wäre es dann, zukünftige Lehramtsstudenten und Lehramtsanwärter nicht zu Klassenlehrern sondern vielmehr zu Betreuungslehrern auszubilden. Doch davon ist einerseits das wissenschaftliche Studium, andererseits die Ausbildung im Rahmen des Vorbereitungsdienstes weit entfernt. Dagegen erscheint es mir zweckmäßiger, den Grundschullehrkräften einen Förderschullehrer als echten Zweitlehrer an die Seite zu stellen (Mehrpädagogenprinzip) oder die „Sprachheilschule Halle“ u. a. als Aus- und Fortbildungsstandort zu erhalten.