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Nach 1945 - 1989

Der Neuanfang

Mit sieben spärlich besetzten Klassen wurde die Sprachheilschule Halle im September 1945 wieder geöffnet. Die Leitung lag in den Händen des Direktors der Hilfsschule Max Enke.

1948 übernahm der Hilfsschullehrer E. Lehmann als erster Direktor der Nachkriegszeit die Leitung der Schule.

In den letzten Kriegsjahren musste die Schule die Franckeschen Stiftungen verlassen und wanderte von 1943-1948 von Gebäude zu Gebäude.

Ab 11. Dezember 1948 wurde der Schule ein eigenes Gebäude in der Klosterstraße zur Verfügung gestellt. Der Umzug erfolgte am 24.01.1949.

Bild 7 Eingang zum Schulgebäude in der Klosterstraße

Da die Raumkapazitäten bald nicht mehr ausreichten, wurde das für ein Internat vorgesehene Grundstück und Gebäude im Kirschbergweg ab 1954 als Nebenstelle für 3 Klassen der Klassenstufen 2 / 3 / 4 im Tagesschulbetrieb genutzt. In Form der Ganztagserziehung wurden hier von 8.00-16.30 Uhr 50 Kinder von 4 Lehrern und 3 Erziehern schulisch und hortmäßig betreut.

Bild 8 und 9 Internat im Kirscbergweg 1955

Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik führten ab 1949 zu unterschiedlichen Entwicklungen des Sonderschulwesens.

E. Lehmann siedelte 1950 nach Bremen um. Horst Heindorf leitete von 1950 bis 1960 als Direktor die Schule. In seine Amtszeit fielen auch die Gründung des ersten Sprachheilkindergartens und der ersten Ambulanz für Sprachgestörte (1957 in Naumburg).

Bild 10 Direktor H. Heindorf

Mit der Gründung des Sprachheilkindergartens in Halle 1956 und der ersten Ambulanz für Sprach- und Stimmgestörte (später Beratungsstelle) wurde an die Traditionen zu Beginn des 20. Jhd. angeknüpft – Kurse für Vorschulkinder (1907), erste „Heilpädagogische Beratungsstelle“ in Heidelberg 1917. Schon damals war es der Gedanke der Früherkennung und der Frühförderung sprachgestörter Kinder, der zu therapeutischen Maßnahmen im Vorschulalter führte.

Je früher Sprachstörungen erkannt und behandelt werden, umso größer sind die Erfolgsaussichten!

Diese Grundsätze in Verbindung mit der medizinisch-pädagogischen Zusammenarbeit wurden für die Sprachheilpädagogik richtungweisend. Die Bildungspolitik der DDR in den 60-er Jahren ermöglichte die Bildung „Logopädischer Zentren“.

Was in Leipzig unter der Leitung von H. Zschocke und K.-P. Becker als Modell versucht wurde, wurde auch in Halle und später in allen Bezirken der DDR aufgebaut.

 

 

Die Sprachheilschule als Leiteinrichtung im

Bezirk Halle

Die erfolgreiche Arbeit des Logopädischen Zentrums in Leipzig führte auch in Halle zu einer Reorganisation des Sprachheilwesens. Die verschiedenen Institutionen für Sprachbehinderte wurden zu einem System zusammengefasst.Am 15.04.1956 zogen die ausgelagerten Klassen vom Kirschbergweg 14 in das Grundstück am Galgenberg 3 um. Zu den zunächst 3 Klassen kam eine 4. hinzu.

Bild 11 Galgenberg um 1960

Somit konnte nun das Objekt im Kirschbergweg als Internat genutzt werden. In einer Fabrikantenvilla mit riesigem parkähnlichen Garten in der besten Wohngegend von Halle konnten zum 01. September 1956 30 Kinder aufgenommen werden. Die Eltern brachten die Kinder in der Regel am Montag früh in die Schule/ins Internat und holten sie am Samstag (6 Unterrichtstage in der Woche) wieder ab. Dafür wurden sie im Betrieb von der Arbeit freigestellt.

Bild 12 Internat

1956 hatte ja bereits der Sprachheilkindergarten seine Arbeit aufgenommen. Am Galgenberg wurden 20 Kinder im Alter von 4 – 7 Jahren in 2 Vorschulgruppen von je 10 Kindern betreut. Nachdem Horst Heindorf 1960 die Schule verlassen hatte, um an der Martin-Luther-Universität in Forschung und Lehre die wissenschaftlichen Grundlagen der Sprachheilpädagogik weiter zu entwickeln, wurde die Schule von 1960 – 1967 von Reinhold Schneider als Direktor geleitet.

Bild 13 Direktor R. Schneider

Unter seinem Nachfolger Hans-Joachim Krause (26.04.1924-20.08.2007), der von 1967-1986 die Schule leitete, erfuhr der Ausbau des Logopädischen Zentrums wesentlichen Aufschwung.

Bild 14 Direktor H.-J. Krause

Grundlage waren auch zu dieser Zeit politische Vorgaben, Beschlüsse und Durchführungsbestimmungen. Sonderschulen waren einerseits Teil des „Einheitlichen sozialistischen Bildungssystems“, bildeten andererseits aber auch eine politische Nische, in der der Schwerpunkt der Arbeit auf die Behinderung gerichtet werden konnte. Das galt auch für die Sprachheilschule.

Die auf 3 Objekte verteilte Schule erhielt 1970 einen anderen Standort. Das ehemalige Seydlitz-Lyzeum (höhere Töchter- und Mädchenschule) in der Heinrich-und -Thomas-Mann-Straße 11 wurde neuer Schulstandort.

 

 

 

 

 

 

Bild 15 Schule in der Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße

Bis 1968 gab es bereits 5 Beratungsstellen im Bezirk Halle. Der Ausbau der Beratungsstellen und die Veränderung der inhaltlichen Arbeit waren die Voraussetzung für das Ziel der konsequenten Früherkennung und Frühförderung. In allen Kreisen wurde ein Netz von Beratungsstellen geknüpft. Der bisherige Ambulanzcharakter – im wesentlichen Einzel- und Kleingruppenbehandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – änderte sich vollkommen.

Bild 16 Beratungsstelle Gr. Märkerstraße 16

Die Beratungsstellen hatten folgende Aufgaben:

  • enge Zusammenarbeit mit den Pädagogen der Kindergärten
  • Beratung und Anleitung der Eltern
  • Behandlung sprachlich auffälliger Kinder
  • enge Zusammenarbeit mit entsprechenden medizinischen Stellen und dem Gesundheits- und Sozialwesen

Nur in dieser engen Zusammenarbeit war das Ziel des zweiten Aspektes, die Frühförderung, zu realisieren. Die als Sonderpädagogen ausgebildeten Mitarbeiter der „Beratungsstellen für Sprach- und Stimmgestörte“ kannten alle Kinder der Kindergärten in ihrem Einzugsbereich, führten im Bedarfsfall die Diagnostik und auch die Behandlung der Kinder durch und leiteten in Absprache mit den Eltern gegebenenfalls weitergehende Maßnahmen ein – Sprachheilkindergarten, Sprachheilschule, Sprachheilkur u. v. m. Die Bilanz des Jahres 1982/83 verdeutlicht, welche Bedeutung die Arbeit der Beratungsstellen gerade mit Vorschulkindern hatte.

Betreut wurden:

  • 74 Kinder im Krippenalter  ( bis 3 Jahre )
  • 5.654 Kinder im Vorschulalter ( 4 bis 6 Jahre )
  • 710 Schüler der 1. – 3. Klasse
  • 442 Schüler der 4. – 10. Klasse

Ohne die Beratungsstellen wäre das Konzept des Logopädischen Zentrums nicht umsetzbar gewesen!

 

Die Bezirkssprachheilschule als

logopädisches Zentrum

Unter dem Dach der Bezirkssprachheilschule Halle als Leiteinrichtung für den Bezirk Halle befanden sich seit 1968

  • die Schule mit den Klassenstufen 1 – 6
  • die Sonderpädagogische Beratungsstelle
  • die Vorschuleinrichtung (der bisherige Sprachheilkindergarten)
  • der Hort
  • das Internat

Die Schwerpunktsetzung Frühförderung führte dazu, dass an der Sprachheilschule Halle ab 1967 kein Schulabschluss mehr abgelegt werden konnte. Der Unterricht wurde auf die Klassenstufen 1 – 6 beschränkt. Es bestand aber für die Schüler, deren Sprachstörung auch nach der 6. Klasse erhebliche Probleme beim Besuch der „Allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule“ erwarten ließen, die Möglichkeit, an einer weiterführenden Sprachheilschule (für unsere Schüler Chemnitz - damals Karl-Marx-Stadt - oder Weimar) den Abschluss der 10. Klasse zu erreichen. Das traf besonders für stotternde Schüler zu. Seit der Gründung der Sprachheilschule im Jahr 1910 war sie immer eine Durchgangsschule. Nach jedem Schuljahr wechselten die Kinder, deren Sprachstörung behoben oder wesentlich gebessert war, an die Regelschule. In den 80-er Jahren konnten im Durchschnitt 80% der Kinder des Vorschulteils der Bezirkssprachheilschule (BSHS)  in die Regelschule (POS) eingeschult werden. Von den verbleibenden 20% der Kinder, die in die 1. Klasse der BSHS eingeschult wurden, konnten 50% dank der Frühförderung im Vorschulteil nach einem Schuljahr in die Regelschule umgeschult werden.

Der Aufbau der Schule entsprach einer Pyramide. Wenn in Klasse 1 noch 50 Kinder lernten und behandelt wurden, so waren es aus dieser Einschulungsgruppe in Klasse 6 mitunter nur noch vier bis fünf! Die absoluten Schüler- und Klassenzahlen sehen anders aus, da ja auch in die Klassenstufen 2-4 jährlich Kinder neu aufgenommen wurden.

Beispiele aus der Statistik zeigen den Charakter der Durchgangsschule an der Schülerpyramide!


Tabelle 2 Schülerpyramide

Tabelle 3 Schüler- und Klassenzahlen nach dem II. Weltkrieg bis zur „Wende“ 1990

 

Das Zusammenwirken, die Absprachen, die Übernahme und Fortsetzung der Arbeit der Mitarbeiter in den einzelnen Teileinrichtungen war der Schlüssel zum Erfolg.

Mit dieser Struktur waren die besten Voraussetzungen für die Arbeit mit sprachgestörten Kindern in der bisherigen Geschichte des Sprachheilwesens in Deutschland gegeben!

Aber auch diese Struktur, getragen von dem zu jener Zeit herrschenden politischen System, hatte Schwächen ideologischer und materieller Art. Darauf soll später noch eingegangen werden.

Für die sprachgestörten Kinder gab es in diesem System des Logopädischen Zentrums viele positive Aspekte.

  • Durch die Arbeit der Beratungsstellen war die Früherkennung von Sprachstörungen beinahe lückenlos möglich, da bis auf wenige Ausnahmen ja alle Kinder den Kindergarten besuchten!
  • In den Regelkindergärten und den Sprachheilkindergärten wurden sprachlich auffällige Kinder durch ausgebildete Sprachheilpädagogen der Beratungsstellen bzw. Sprachheilkindergärtnerinnen betreut. Damit wurde das alte Prinzip der Frühbehandlung umgesetzt! In den Sprachheilkindergärten gab es täglich spezielle sprachheilpädagogische Förderstunden.
  • Ganztägige Bildung und Erziehung bedeutete, dass alle Schulkinder den Hort besuchten. In Absprache zwischen Lehrern und Erziehern wurden die Schwerpunkte der Arbeit auch für die Zeit nach dem Unterricht abgestimmt. Die sprachtherapeutische Förderung konnte am Nachmittag durch Erzieherinnen, z.T. mit  sprachheilpädagogischer Ausbildung, fortgesetzt werden.
  • Seit 1974 wurden zunächst an den Sprachheilschulen in Halle und Halle-Neustadt und einer POS in Köthen spezielle Klassen für Kinder mit Lese- Rechtschreibschwäche (LRS) eingerichtet. Grundlage dafür war eine von Ralph Weigt entwickelte spezielle Methodik! Interessierte Lehrerinnen/Lehrer und Erzieherinnen nahmen an entsprechenden Weiterbildungskursen teil. Die Zusammenarbeit von Lehrerin und Erzieherin war hier noch enger, da die Hausaufgaben und Beschäftigungen genau zu planen waren.
  • Wurden bis zum 2. Weltkrieg und in den Jahre danach besonders stotternde Kinder an der Schule aufgenommen, so änderte sich das mit dem System der Früherkennung. Die Palette der Sprachstörungen an der Schule wurde breiter. Einen Schwerpunkt bildeten stotternde Schüler aber trotzdem. Dem Grundgedanken der früheren Kurse folgend, wurde jährlich eine Klasse des 2. Schuljahrganges mit stotternden Schüler zusammengesetzt, die auf eine 3-monatige Spezialkur in Thalheim in Sachsen vorbereitet wurde. Im 3. Schuljahr nahmen die Kinder mit ihrer Klassenlehrerin an der Stotterer- intensivkur in Thalheim teil. Nach der Kur wurden die Kinder in ihre „Heimatschule“ umgeschult, wurden im Sinne der Katamnese aber von ihrer Lehrerin der Sprachheilschule noch bis zum Ende des Schuljahres betreut.
  • „Oberster Grundsatz bei der Arbeit in der Sprachheilschule muß sein: Aller Unterricht ist Heilung, alle Heilung Unterricht!“ (Lit. 1/S.18f) Dieser Grundsatz der Gründungsväter der Sprachheilpädagogik hat sich in seinem Kern bis heute erhalten. Die Methodik und Didaktik der Unterrichtsfächer ist auf das Ziel der ganzheitlichen Behandlung ausgerichtet. Das Ziel der Rehabilitation, Integration war nur durch aufbereiteten Unterricht aber nicht zu erreichen, zumal die Lehrplanziele ebenso erreicht werden mussten, wie an der Regelschule. Die strukturell bedingten Besonderheiten des „Logopädischen Zentrums“ wurden durch inhaltliche Besonderheiten des Unterrichts ergänzt.

1.  Klassenstärke: 7 – 12  Kinder

2. Spezieller muttersprachlicher Unterricht (SMU): 4 – 8 Wochenstunden (s. „sprechtechnische Stunden“ der Gründerjahre) Diese Stunden standen zusätzlich zur Stundentafel zur Verfügung. In der Regel waren das 4 zusätzliche Stunden in denen in Kleingruppen oder auch Einzelunterricht die Grundlagen für die Verbesserung oder den Abbau der Sprachstörung gelegt wurden. Auf Antrag, der zu meist  von der Schulbehörde genehmigt wurde, konnten auch 7-8 Stunden zur Verfügung stehen.

3. Rhythmisch-musikalische Bewegungserziehung  (BE): 1 Wochenstunde „Logopädische Arbeit in Sprachheilkindergärten und -schulen bedeutet keinesfalls ein ausschließliches Gerichtetsein auf die Korrektur sprachlicher Fehlleistungen. ...So liegt es bei der Arbeit mit sprachgestörten Kindern nahe, auch über die Bewegungsentwicklung eine Behebung bzw. Minderung der Sprachstörung zu erreichen.“ (Lit. 2/S. 8) Da bereits aus den Anamnesen der Kinder die Rückstände auch in der motorischen Entwicklung bekannt waren, leistete dieser Unterricht einen Beitrag im Gesamtsystem der Rehabilitation sprachgestörter Kinder.

4. Aufnahmeverfahren: Die der Schule gemeldeten Kinder wurden während des „Aufnahmeverfahrens“ für eine Woche an die Schule eingeladen. In dem Alter angemessener Form wurde eine umfassende Diagnostik durchgeführt. Grundlage bildeten die Unterlagen der Beratungsstelle bzw. des Kindergartens. Das „Team“ (ein zu dieser Zeit noch ungebräuchlicher Begriff) bereitete die Diagnoseeinheiten und Materialien auf der Grundlage der Beschlüsse und schulischen Festlegungen vor. Am letzten Tag der Woche wurden die Ergebnisse und Empfehlungen mit den Eltern besprochen. Dieses umfassende Material bildete die Grundlage für die Aufnahmeentscheidung und später die Zusammensetzung der Klassen.

Diese wesentlichen Voraussetzungen waren einzeln betrachtet schon sinnvoll. Zum Erfolg wurden sie aber erst durch das Zusammenwirken innerhalb des Systems!

Die Nutzung der Möglichkeiten dieser Strukturen stieß unter den politischen und ökonomischen Verhältnissen der Zeit aber auch an Grenzen ideologischer, materieller und personeller Art.

  • Lehrplaninhalte, Methodenvorgaben, didaktische Materialien waren zentral vorgegeben. Das gab einerseits Sicherheit, schränkte aber Kreativität und Eigenverantwortung wesentlich ein. Gestaltungsspielräume musste man sich „nehmen“. An der Sprachheilschule Halle war das z. B. bei der Stottererbehandlung mit anderen Methoden als den „Sprechleistungsstufen“ in den 70-er und 80-er Jahren möglich. Das traf auch für die Arbeit in anderen Bereichen zu. Für ideologisch determinierte Vorgaben gab es allerdings kaum Spielräume. Beispiel: „Sitzenbleiber Statistik“! Jeder Lehrer musste das „Versagen“ (seines oder das des Schülers?) umfangreich nachweisen. Der Direktor musste beim Kreisschulrat zum Rapport! Die Nischenstellung der Sonderschule / Sprachheilschule gestattete es aber gewöhnlich, dass mehr Schüler eine Klasse wiederholen konnten, wenn entsprechende Begründungen vorlagen
  • Forderungen nach abweichenden Organisationsformen, wie z. B. Schulzeitstreckung,  Sprachheilklassen in anderen Kreisen, eigene Psychologen am Logopädischen Zentrum fanden keine Realisierungsmöglichkeiten.
  • Der Erhalt der Funktionsfähigkeit der einzelnen Teileinrichtungen stellte einen „täglichen Kampf“ dar, an den wir aber gewöhnt waren! Hier war das Dach kaputt, dort fiel der Putz von der Wand, die Schule war nicht warm zu kriegen, im Internat musste die Wasser- und Heizungsinstallation erneuert werden, Möbel für den Vorschulteil galt es selbst zu besorgen ...

Die materiellen Voraussetzungen für die Schule waren so schwierig, wie sie auch für die Bevölkerung waren. Und wir hatten nichts zum Tauschen!

Das Problem der personellen Absicherung mit ausgebildeten Sonderpädagogen begleitet die Schule seit ihrer Gründung bis heute! Das war auch zu DDR-Zeiten nicht anders! Auch das gut organisierte, auf Delegierungsbasis beruhende Qualifizierungssystem an der Humboldt-Universität Berlin für Sprachheilkindergärtnerinnen, Sprachheilerzieherinnen, Sprachheillehrer konnte die Lücken nicht wirklich schließen. Der Ausbildungsgrad schwankte zwischen 40 und 60 %!

1986 übernahm Günter Proske (geb. 1945) das Amt des Direktors der Bezirkssprachheilschule.

Bild 17 Direktor G. Proske

Im gleichen Jahr mühte er sich massiv bei allen zuständigen Stellen (Schulamt; Bezirksparteileitung ...) darum, dass die Heizungsanlage in der Schule so repariert würde, dass im Winter nicht ganze Schulteile unbenutzbar waren und wenigstens 18° C in den Klassen erreicht wurden. Das gelang nicht, aber die Klassen wurden auf andere Schulen verteilt. Wie zur Zeit der Gründung der Sprachheilschule und von 1943-1948 war die Schule wieder auf mehrere Gebäude in der Stadt verteilt. 1987 kam es zum Umzug der Schule in einen Teil einer POS.

Bild 18 Schule Adam-Kuckhoff-Straße

Bestand der Einrichtung 1987:

Schule und Hort: ehemalige „Adam-Kuckhoff-Schule“, Adam-Kuckhoff-Straße

Internat: Kirschbergweg 14

Vorschulteil: Albert-Schweitzer-Straße (seit Mai 1984)

Beratungsstelle: Passendorfer Weg/Ecke Böllberger Weg (seit 1984)

Die Leidensgeschichte der Sprachheilschule mit ihren Gebäuden setzte sich hier fort.

Vorteile:

  • Die Schule war auch im Winter warm (!) und durch die soliden dicken Mauern im Sommer lange Zeit angenehm kühl.
  • Schule und Hort befanden sich in einem Objekt und doch räumlich getrennt.
  • Alle auf die Stadt verteilten Klassen fanden wieder unter einem Dach Platz.
  • Die Schule befand sich in der Innenstadt.

Nachteile:

  • Durch den baulichen Zustand waren etliche Räume gesperrt, weil durch die undichten Dächer große Wasserschäden verursacht wurden. Elektroleitungen mussten dringend erneuert werden! Der malermäßige Zustand erweckte den Eindruck, als ob die letzte Renovierung kurz nach dem Krieg stattgefunden hatte. Raumhöhen von ca. 5 m und Raumgrößen, die für 40 Schüler ausgelegt waren, waren für Klassenstärken von 7-12 Kindern nur bedingt geeignet.
  • Fachkabinette, die die oberen Klassen (7. – 10.) der POS benötigten, brauchten wir nicht. Dafür fehlten uns kleine Räume für den „speziellen muttersprachlichen Unterricht“ mit Kleingruppen oder als Einzelunterricht.
  • Die gemeinsame Nutzung der Einrichtung (Schulgebäude, Hof, Turnhalle ...) mit einer bereits im Haus befindlichen POS (Grund- und Sekundarschule) erwies sich als erhebliches Problem!
  • Der Gedanke der Integration funktionierte trotz intensiver Bemühungen der Schulleitungen und der Pädagogen nicht! Unsere kleinen, an ein ruhiges Schulklima gewöhnten Kinder, wurden zum Spielball besonders der größeren, alteingesessen Schüler!

Nach einem Jahr mussten wir uns zu weitgehender organisatorischer Trennung entschließen. Wie aber installiert man z.B. getrennte Schulklingelanlagen, wenn es nur Klingeln mit einem einheitlichen Klingelton gibt?

Längst fällige Bauarbeiten zur Erhaltung des ehemaligen Stadtgymnasiums, in dem Klassen der Sprachheilschule früher auch schon mal zeitweise untergekommen waren, wurden nun begonnen. Hervorragend! Das bedeutete aber 3 Jahre Baulärm und Baudreck bei laufendem Betrieb! Die Hoffnung, hinterher in einem sanierten Objekt gute Bedingungen zu haben, half beim Durchstehen dieser Zeit. Ein Antrag war auch eingereicht, das Internat in dem von der POS genutzten Schulteil im Sinne des Logopädischen Zentrums unterzubringen! Diese Überlegungen wurden von den zuständigen Schulamtsstellen und der Kreis- und Bezirksleitung der SED nicht in Erwägung gezogen. Für die Internatskinder war das aus der Sicht der landschaftlichen Schönheit, Ruhe und Großzügigkeit des Objektes im Kirschbergweg aus damaliger Sicht auch gut so!