Die Jahre bis zum Schuljubiläum 2006-2010

Nach 20 Jahren als Schulleiter verabschiedete das Kollegium ihren Rektor Günter Proske 2006 in den Ruhestand. Erstmals in der nunmehr 100-jährigen Geschichte der Schule übernahm eine Frau die Leitung der Einrichtung.

Seit dem 01. 08. 2006 leitet Frau Antje Thielebein die Schule.

Bild 24 Rektorin Antje Thielebein

Die Bemühungen des Landes, durch den Ausbau des gemeinsamen Unterrichts, die Zahl der Schüler an Förderschulen erheblich zu senken, stellte an sie und die Schule  vom ersten Tag ihrer Leitung an hohe Ansprüche. Immer wieder galt es, durch Gespräche und Diskussionen mit den Verantwortlichen von Kultusministerium, Landesverwaltungsamt und der Stadt Lösungen für die betroffenen Schüler, die Einrichtung als Objekt und auch für die Mitarbeiter zu suchen und zu finden.

Die Klassen und Schülerzahlen der letzten Jahre belegen die Notwendigkeit der Angebote im Förderschwerpunkt Sprache. Derzeit auch als Angebot in Form der Förderschule!

Tabelle 5 Schüler- und Klassenzahlen 1999 – 2010

Noch können Schüler, bei denen eine erhebliche Sprachstörung diagnostiziert wurde, in die 1. Klasse auch der Förderschule für Sprachentwicklung eingeschult werden. Vorrang ist aber den Möglichkeiten der AMA (ambulante und mobile Angebote) zu geben. Das setzt entsprechende zeitliche und qualitative Ressourcen voraus.

Die Gestaltung der Schule, die Weiterentwicklung moderner Unterrichtsmethoden und die Anwendung neuester Therapieerkenntnisse und -möglichkeiten bestimmten in den letzten Jahren trotz vieler perspektivischer Unsicherheitsfaktoren die tägliche Arbeit mit den Kindern innerhalb und außerhalb der Schule.

Vielleicht ist der 100. Geburtstag das letzte Jubiläum der ältesten Sprachheilschule Deutschlands, vielleicht der ganzen Welt. Traditionen zu erhalten ist ein hohes kulturelles Gut, wenn sie ihren Zweck auch unter veränderten Bedingungen erfüllen.

Traditionen auszulöschen ohne qualitativ bessere Möglichkeiten in gleichem Umfang und gleicher Breite anbieten zu können wäre ein Verlust!

Der gesetzlich verbürgte Anspruch auf Integration Behinderter ist nur in einem langen Prozess zu verwirklichen.

Einige Wissenschaftler fordern inzwischen Inklusion! (Die Vielfalt in der Klasse u.a. auch das gemeinsame Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten stellt die Normalität dar!) Diese Betrachtungsweise erfordert nicht nur bildungspolitisches Umdenken, enorme Anstrengungen zur Schaffung der erforderlichen Voraussetzungen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Umdenken und Engagement!

Die Pädagogen der „Sprachheilschule Halle“ werden auch in Zukunft mit ihrem Wissen und Können für die sprachbehinderten Kinder da sein.

Wer in unserer von Kommunikation geprägten und von Kommunikation abhängigen Gesellschaft nicht „mitreden“ kann, hat nur eingeschränkte Möglichkeiten! Das wollen wir so weit als es uns möglich ist verhindern!

Annähernd 15.000 Schüler haben unsere Schule in den 100 Jahren besucht! Für den größten Teil ist es ihre Schule geworden, weil sie sich hier wohl gefühlt haben, verstanden, gefördert und gefordert wurden, weil hier ihr Weg ins Leben begann!

Mit Ihnen, den ehemaligen Schülern, mit ehemaligen Lehrern und Erziehern, mit Euch, unseren heutigen Schülern, Euren Eltern, den Lehrern und Erziehern, die jetzt an unserer Schule arbeiten, den technischen Mitarbeitern und unseren Gästen begehen wir das Jubiläum

100 Jahre „Sprachheilschule Halle" - älteste Sprachheilschule Deutschlands.